Operative Therapie| 03.02.2020

Operative Magenverkleinerung, der einfache oder faule Weg zur Gewichtsreduktion?

Vielleicht kennen Sie das Gefühl: Sie sitzen im Restaurant und geniessen gerade Ihr Dessert, natürlich ziehen Sie da die Blicke Ihrer Tischnachbarn auf sich. Wenn Blicke sprechen könnten, würden sie sagen: «Typisch, ist ja klar, warum diese Person zu dick ist, sie soll doch nur weniger essen, dann würde das mit der Gewichtsabnahme auch klappen – ist doch ganz einfach.»

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von Dr. med. Thomas Köstler

Oder kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Sie haben sich durchgerungen, Ihrem engeren Freundeskreis zu offenbaren, dass Sie sich operieren lassen möchten, dass Sie eine Magenverkleinerung oder einen Magenbypass vornehmen, damit Sie Ihr Gewicht endlich loswerden. Die Reaktionen sehen oft so aus: «Willst Du das wirklich machen lassen? Das ist doch gefährlich, versuche es doch noch mal mit einer Diät. Im Internet findet man viele Medikamente und Säfte, die garantiert helfen. Es ist doch ganz einfach und nur eine Frage der Disziplin und des Willens.» Niemand weiss, dass Sie schon die gefühlt zwanzigste Diät hinter sich haben, jedes Mal, wenn Sie mit viel Anstrengung abnehmen, kommt der Jojo-Effekt und Sie nehmen wieder rasch zu. Nach jeder Diät sind Sie schwerer als davor. Dieser Prozess wiederholt sich nun schon seit mehreren Jahren, Sie leiden darunter, dass niemand Sie verstehen und Ihnen helfen kann.

Vorurteile gegenüber dicken Menschen sind weit verbreitet. Ständiges Essen, Faulheit, keine Lust sich zu bewegen oder ein Mangel an Wille oder Disziplin zählen zu den geläufigsten. Übergewichtige Menschen haben es im wahrsten Sinne des Wortes schwerer im Leben. Der Alltag ist mühsam und es fängt schon damit an, dass sie kaum Stühle im Kino oder im Flugzeug finden, auf denen sie bequem Platz nehmen können. Auch das Treppensteigen in ihrer Wohnung fällt ihnen schwer, und wie gerne würden sie mit ihren Kindern Fussballspielen oder im Urlaub wandern gehen…
Ihre Freunde raten ihnen zu mehr Sport, um überschüssigen Kalorien zu verbrennen, aber sogar die kleinste sportliche Aktivität bringt übergewichtige Menschen schnell ausser Atem, hinzu kommen schmerzende Gelenke bereits bei kurzen Gehstrecken.

Irgendwann, nach einer schier unendlichen Anzahl an Diätversuchen, resignieren die Betroffenen. Auch das Unverständnis und die fehlende Hilfe aus dem Umfeld tragen zu diesem deprimierenden Umstand bei.

Was viele Menschen nicht wissen: Adipositas ist eine Erkrankung.

Die Ursache der Erkrankung ist sehr vielschichtig und oftmals sehr komplex. Neben der genetischen Veranlagung spielen zahlreiche Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Die Gene, die Sie von Ihren Eltern geerbt haben, können Sie nicht beeinflussen. Oftmals sind Sie Umwelteinflüssen ausgesetzt, die bei Ihnen, aber nicht beim Nachbarn, zur Adipositas führen. Aber warum schaffen Sie es nicht, mit Diäten langfristig und bleibend abzunehmen? Ist das wirklich nur eine Frage der Disziplin und des Willens?

Für Ihren Körper ist eine Diät bedrohlicher als das Übergewicht. Diäten signalisieren dem Körper eine Hungersnot und Nahrungsknappheit. In der Menschheitsgeschichte stellten Hungersnöte eine Lebensbedrohung dar. Bei einer Diät reagiert der Körper auf diese simulierte Bedrohung, indem er seinen Grundumsatz senkt. Das heisst, er versucht, während und nach der Diät weniger Kalorien zu verbrennen, wenn er sich in einer Ruhephase befindet, wie beispielsweise während des Schlafs. Ihr Körper schützt sich gegen die Diät und möchte seine energiebringenden Fett-Reserven nicht zu schnell aufbrauchen. Zudem schüttet Ihr Körper während der Diäten zahlreiche Hungerhormone aus, die Ihnen den Verzicht auf Nahrung extrem schwierig machen. Leider gibt es keine Diäten oder Medikamente, die diese Mechanismen ausschalten können. Und so wiederholt sich immer das gleiche Spiel: Sie nehmen ab, aber ein paar Monate oder Jahre später habe Sie wieder zugenommen, obwohl Sie nicht übermässig viel essen. Vielen Menschen mit schwerer Adipositas (d.h. mit einem BMI über 35) geht es so wie Ihnen. Sie sind keine Ausnahme und können auch nichts für dieses Problem. Wenn Sie jetzt aufgeben und sich mit Ihrem Schicksal abfinden, kommen früher oder später all die Begleiterkrankungen auf Sie zu, die im Zusammenhang mit Adipositas stehen. Zu diesen zählen ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko, ein erhöhtes Risiko für Zuckererkrankung (Diabetes mellitus), ein erhöhtes Krebsrisiko (v.a. des Dickdarms, der Bauchspeicheldrüse und der Brust). Auch durch Atemschwierigkeiten bedingte Schlaflosigkeit und die damit verbundene Tagesmüdigkeit sind häufige Folgen von Adipositas.

Viele Menschen wollen aber nicht aufgeben und haben sich schweren Herzens für den operativen Schritt entschieden. Diese Entscheidung wird nie leichtfertig gefällt und die Betroffenen haben sich lange mit diesem Gedanken beschäftigt und sich gut über die Behandlung informiert, allerdings fällt es vielen aus Scham schwer, mit den Menschen in ihrem Umfeld darüber zu reden.

Die operative Adipositas Therapie ist heute die nachhaltigste Therapie schweren Übergewichtes für alle Menschen, die es nicht geschafft haben, ihr Gewicht mit den konventionellen Mitteln zu senken. In der Regel kann eine Operation zu einem Verlust von 50-70 Prozent des Übergewichtes führen. Je nach gewählter Operationstechnik und Umstellung der Lebens- und Essgewohnheiten kann dieser Effekt bis zu zehn Jahre  und sehr häufig lebenslang anhalten. Eine Operation ist aber kein Selbstläufer. Alle operativen Eingriffe werden das Essverhalten, sowohl was die Menge, aber auch was die Zusammensetzung der Nahrung betrifft, verändern. Diese Veränderungen werden sich auch auf andere Lebensbereiche ausdehnen. Ausserdem ist die Einhaltung der Nachsorgeuntersuchungen extrem wichtig, um Komplikationen nach operativen Eingriffen vorzubeugen oder frühzeitig zu erkennen. Auch kann es vorkommen, dass sich das soziale Umfeld nach der Operation verändert.

Eine ausführliche Aufklärung im Vorfeld der Operation ist in diesem Sinne unumgänglich, damit Sie auf die kommenden körperlichen und psychischen Veränderungen vorbereitet sind, denn das Ergebnis der Operation können Sie massgeblich mit Ihrem Lebenswandel nach dem Eingriff beeinflussen. Auch nach der Operation ist die Absprache mit dem Arzt unabdingbar: Sollte das Resultat unter Ihren Erwartungen sein, ist es wichtig, dass Sie die Ursache mit Ihren Ärzten vom Adipositas Zentrum abklären, damit entsprechende Gegenmassnahmen unternommen werden können.

Der operative Weg zur Gewichtsreduktion ist niemals einfach.
Die Patienten, die sich für einen solchen Schritt entscheiden, übernehmen Verantwortung für sich selbst. Die Operation ist eine wichtige Hilfe, doch den langen Weg nach dem Eingriff muss jeder Patient selbst gehen. Eine medizinische Nachbetreuung und Unterstützung sind dabei unerlässlich.

Ein Artikel von Dr. med. Thomas Köstler, Leiter Adipositaszentrum Limmattal.

Autor
Dr. med. Thomas Köstler
Leiter Adipositaszentrum Limmattal
Leitender Arzt Klinik für Allgemein-, Gefäss- & Viszeralchirurgie

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